Mit dem Zeitalter der Industrialisierung, des technischen Fortschritts mit seinen unzähligen zukunftsweisenden Erfindungen (Eisenbahn, Nähmaschine, Fahrrad, Auto, Elektrizität, Straßenbau, etc.) und des damit verbundenen Booms an neu gegründeten Unternehmen ging auch das aufkommende Phänomen der Werbung einher und die „Goldene Epoche“ des Plakats brach an
Die Notwendigkeit für sein Unternehmen und seine Produkte Werbung zu machen, wuchs, je größer die Produktion (also auch immer ein temporärer Überschuss) war und je mehr Konkurrenz auf kam. Durch die Entwicklungen in der Farb-, und Druckindustrie war es nun einfacher möglich, den Wunsch, auf sich aufmerksam zu machen, auch effektiv realisieren zu können. So erlebten Plakate, die oft künstlerisch hochwertig gestaltet waren und deren Entwürfe damals vielen Künstlern ihren Lebensunterhalt sicherten, einen regelrechten Boom. Auch die Litfaßsäule mit angeschlagenen Nachrichten und Plakaten fand in dieser Zeit ihren Ursprung. Namhafte Künstler, die auch Werbeplakate gestalteten, waren etwa Geo Ham, René Vincent, die beiden Montauts, Gordon Crosby, John Reynolds oder auch Ludwig Hohlwein, um nur einige wenige zu nennen.
Die Fähigkeit dünne aber dennoch stabile Bleche zu produzieren sowie neue Druck,- und Emaillierungsverfahren führten im 19. Jahrhundert zur Herstellung witterungsunabhängiger Werbeschilder, die gegenüber dem Plakat vom Material her beständiger und robuster waren. Das Plakat wurde davon nicht verdrängt, es hatte lediglich einen anderen Raum und man teilte sich die Aufgabe der Werbung
Diese Blechschilder wurden spätestens zu Beginn des 20. Jahrhunderts, nahezu „flächendeckend“ eingesetzt. Natürlich fanden sie auch sofort in der Automobilindustrie und in allen Bereichen, die mit ihr zu tun hatten, Einzug. Automobilhersteller oder Zulieferbetriebe jeglicher Art (wie etwa Lampenhersteller, Batteriehersteller, Karosseriehäuser etc.) benutzten Blechschilder mit ihrem Markenlogo, markengebundene Werkstätten machten auf diese Weise auf sich aufmerksam und Ölfirmen boten ihre Produkte auf Blechschildern an. Auch an ihrer Gestaltung, zumindest bei den hochwertigeren Exemplaren, arbeiteten oft ebenfalls Künstler mit. Wie bei den Plakaten ließ sich auch an ihrer stilistischen Gestaltung der ästhetische Trend der Zeit ablesen.
Alte Blechschilder sind heute gelegentlich auch eine Erinnerung an längst vergessene Automarken
So finden sich im Museum nicht nur viele Werbeschilder von Ölmarken, Werkstätten und heute noch bekannten Automobil,- und Motorradherstellern, sondern auch Blechschilder nicht mehr existenter Firmen. Eine davon ist der Automobil, und Motorradhersteller Windhoff aus Rheine. So entstanden unter diesem Markennamen, von dem einigen vielleicht noch das spektakuläre Windhoff-Vierzylindermotorradmodell bekannt ist, vor dem ersten Weltkrieg auch hochwertige und durchaus fortschrittliche Luxusautomobile. Das Blechschild im Museum verweist auf diese automobile Vergangenheit der Marke.
Fotos & Text: Marina Block