Bevor Zweiräder mit Verbrennungsmotoren bestückt wurden, verwendete man als Hilfsantrieb für Fahrräder einen Dampfmotor
Die grundsätzliche Idee war ziemlich alt, denn es gibt Nachweise, dass bereits 1629 der Italiener Giovanni Branca ein Dampfrad (zwar kein Fahrrad, aber doch ein dampfbetriebenes Laufrad) entwickelt haben soll. Der Beweis existiert allerdings nur auf dem Papier in Form einer Abhandlung in einem Artikel mit dem Titel „Le Machine“. Echte Exemplare in Form von dampfbetriebenen Fahrrädern stammten hingegen 1869 von Michaux-Perreaux. Louis Guillaume Perreaux hatte 1868 einen Dampfmotor für Fahrräder entwickelt, von dem der Fahrradhersteller Michaux aus Paris sehr angetan war, so dass er im darauf folgenden Jahr einige seiner Fahrräder damit bestückte. Auch in den USA kam es zeitgleich zu ähnlichen Entwicklungen. So baute der Amerikaner Sylvester Howard Roper 1869 sein erstes Dampfrad. Zeitungsbelege zeigten ihn 1894 auf einem neuen Dampfrad aus seiner Herstellung. 1896 verunglückte Roper dann bei Testfahrten mit seinem Dampfrad tödlich. Dieser Unfall zählte zu den ersten belegten tödlichen „Motorrad-Unfällen“ der Geschichte.
Da der Dampfantrieb älter als der Explosionsmotor ist, verwundert es kaum, dass bei dem Experiment Zweiräder zu motorisieren diese Antriebsart als erste genutzt wurde.
Auch heute übt es auf Tüftler und Dampffreunde eine große Faszination aus, ein Zweirad mit einem Dampfantrieb zu versehen
Einer von ihnen ist Charles Whitworth, der als Engländer,- so lautet seine Überzeugung-, sowieso mit einer Faszination für das Thema Dampf in den Genen geboren sei. Er beschäftigte sich jedenfalls schon lange mit diesem Thema und hat dann schließlich sein modernes und stabil ausgelegtes Fahrrad mit einem selbst gebauten Dampfantrieb bestückt. Die Ausgangsbasis für sein Projekt war ein Dampfmotor-Bausatz für Modelldampfmaschinen, den er für eine Verwendung auf 1:1 angepasst hatte. Um seine Idee perfekt umsetzten zu können, hatte er alte Konstruktionspläne studiert und die daraus gewonnenen Erkenntnisse für sein Projekt genutzt. Das Resultat war ein doppelt wirkender Dampfmotor mit einem 1,9 l Wasser fassenden Kessel, der 7 bar Betriebsdruck aufbauen konnte. Geheizt wurde die Apparatur mit einem Benzinbrenner. Die Kraft wurde von einem Reibradgetriebe auf das Vorderrad übertragen. Angebracht war der 20 kg wiegende Dampfantrieb am Vorderrad. Der Wassertank befand sich auf dem Gepäckträger.
Fotos & Text: Marina Block