Den VW Karmann-Ghia, der zwischen 1955 und 1974 gebaut wurde und der als kleiner zweitüriger Pseudosportwagen auf der VW Käfer-Plattform entstand, gab es erst in Coupéform und ab 1957 auch als Cabriolet
Das chice, anspruchslose und zuverlässige Fahrzeug besaß die robuste Käfer-Mechanik mit luftgekühltem Vierzylinder-Boxermotor im Heck, Hinterradantrieb, unabhängiger Vorderradaufhängung an Kurbellenkern und hinterer Pendelachse, die ab 1970 durch eine Schräglenkerachse ersetzt wurde. Seine elegante Formgebung wurde vom Design-Studio Ghia in Turin entworfen. Gefertigt wurden die Karmann-Ghias beim Karosseriebauer Karmann in Osnabrück, auf dessen Eigeninitiative in den 50er Jahren die Verbindung zu Ghia entstand. Angeboten wurde der stetig modellgepflegte Karmann-Ghia als Coupé und ab 1957 für 8250 DM auch als Cabriolet.
Wer nun eigentlich der wirkliche Urheber des ersten Karmann-Ghia-Designs von 1955 war, ist eigentlich immer noch etwas umstritten Sowohl Luigi Segre als auch Mario Boano und Giovanni Savonuzzi reklamierten den „kleinen“ Karmann-Ghia für sich. In Wirklichkeit aber scheint Boano beim amerikanischen Designer Virgil Exner abgekupfert zu haben. Der Chrysler D'Elégance, den der Chrysler-Chefstylist entworfen hatte und damals bei Ghia bauen ließ, besaß nämlich die stilistische Grundstruktur und sogar etliche Detaillösungen, die dann auch am Karmann-Ghia zu finden waren.
Ansprechen wollte man damals mit dem chicen und sportlich anmutenden Karmann-Ghia vor allem eine reichere, weibliche Kundschaft, deren Haushalt sich einen Zweitwagen leisten konnte.
Der Karmann-Ghia folgte den technischen Verbesserungen und Motorversionen des aktuellsten VW Käfer Export-Modells
Anfangs gab es den Karmann-Ghia mit dem 30 und ab 1960 34 PS leistenden 1,2 l ohv Vierzylinder-Boxermotor. Dann wurde der 1,3 l-Motor mit 40 PS (1965) eingebaut, darauf die 1,5 l-Variante mit 44 PS (1966), bis ab 1969 der 1,6 l-Boxer mit 50 PS unter der Heckklappe arbeitete. Gegen Ende der Produktionszeit wurde auch das Fahrwerk überarbeitet. So wurde ab 1970 eine Schräglenker-Hinterachse statt der bisherigen Pendelachse verbaut, was den Fahreigenschaften zugute kam. Ausgestattet waren die frühen Karmann-Ghias mit einer 6V-Elektrik, die erst 1967 auf eine 12 V-Anlage umgestellt wurde. Ab demselben Jahr konnte statt des Viergang-Schaltgetriebes auch eine Halbautomatik geordert werden.
Der „kleine“ Karmann-Ghia war nicht zuletzt wegen seiner rundlich-eleganten Form sehr beliebt
Nach der 1961 erfolgten Vorstellung des größeren und kantiger geformten Karmann-Ghias vom Typ 34 wurde der erste Karmann-Ghia-Typ allgemein auch als „kleiner Karmann-Ghia“ bezeichnet. Die Formgebung dieses bis 1974 gebauten Fahrzeugs sprach die Kundschaft mehr an als das außergewöhnlichere Styling des größeren Modells vom Typ 34. So entstand der kleine Karmann-Ghia, der allerdings auch etwas weniger kostete als sein größerer Bruder, in über 440000 Exemplaren. Als Nachfolger des Karmann-Ghia ging 1974 der VW Scirocco an den Start.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: luftgekühlter ohv Vierzylinder-Boxermotor, im Heck
Hubraum: 1192 ccm
B x H: 77 x 64 mm
Leistung: 34 PS bei 3600 U/min
max. Drehmoment: 82 Nm bei 3600 U/min
Verdichtung: 6,6:1
Vergaser: Fallstromvergaser von Solex
Elektrik: 6V
Höchstgeschwindigkeit: 120 km/h
Antriebsart: Heckantrieb
Getriebe: Viergangschaltgetriebe
Kupplung: Einscheibentrockenkupplung
Rahmen: Zentralrohr-Plattformrahmen
Vorderradaufhängung: Doppelkurbellenker, zwei Federstäbe quer, Stabilisator
Hinterradaufhängung: Pendelachse, Längslenker, Federstäbe quer
Bremsen: hydraulische Trommelbremsen
Radstand: 2400 mm
L x B x H: 4140 mm x 1634 mm x 1280 mm
Gewicht: 850 kg
Tankinhalt: 40 l
Verbrauch: ca. 8l/100 km
Bauzeit: 1957-1974
Stückzahl: über 440000 Ex. des Typs 14, davon 81053 Cabriolets