Louis Renault entwickelte bereits mit 21 Jahren einen revolutionären Kleinwagen-Prototypen
Auf dem Grundstück seiner Eltern schuf er 1898 ein Automobil, das über zwei wesentliche Innovationen verfügte, nämlich über eine Kardanwelle und über ein Zahnradgetriebe mit direktem Gang. Bis dato wurden die Hinterräder gewöhnlich über Ketten angetrieben. Renault setzte erstmals eine Kardanwelle ein. Auch ein Getriebe mit direktem Gang, das über ein Verschieben von Zahnrädern geschaltet wurde war neu und auch billiger als bisher praktizierte Lösungen. Von Renault ist dazu der Satz überliefert : „C‘est brutal, mais ca marche.“ (das ist brutal, aber es funktioniert). Schon bald sollte Renault die bis dahin führende Firma De Dion Bouton überflügeln. In den 20er Jahren wurden dann die Weichen zu einem Großunternehmen gestellt.
Das Modell KJ/KJ1 war der erfolgreichste Renault-Typ der 20er Jahre und Renaults Antwort auf den Citroen 5CV
Renaults Modellpalette wuchs in den 20er Jahren stetig an und umfasste auch viele großvolumige und teure Modelle. Solche Aktivitäten wurden von dem kleineren Erfolgsmodell KJ/KJ1 mit seitengesteuertem Vierzylindertriebwerk, das über einen Hubraum von 951 ccm, eine Leistung von 6 Steuer-PS und eine Dynastartanlage verfügte, finanziell abgesichert. Auch dieses Modell besaß die damals Renault-typische Alligator-Motorhaube mit dem Kühler hinter dem Motor. Ein mit Schaufeln bestücktes Schwungrad erzeugte ein Vakuum im Motorraum, so dass Luft durch den Kühler gesaugt wurde. Beim ab 1923 angebotenen KJ1 schloss die Haube mit der Kühlerhöhe ab und bildete einen glattflächigen Übergang. Die 1922 vorgestellte Version KJ hingegen war noch mit der schmaleren Motorhaube versehen, hinter der der Kühler breiter und höher hervorlugte. Beide Typen besaßen vorn und hinten Starrachsen, vorn mit Halbelliptikfedern und hinten mit Querfeder. Sowohl die Fuß,- als auch die Handbremse wirkten auf die Hinterräder. Eine auch auf die Vorderräder wirkende Bremse gab es bei dem Renault erst ab 1924.
Der kleine Renault war sehr zuverlässig und solide gebaut
In den 20er Jahren kamen die zuverlässigsten Automobile aus Frankreich. Auch Konkurrent Citroen, der in den 20er Jahren die Massenproduktion von Kleinwagen einführte und in dieser Zeit zur Nummer 1 auf diesem Gebiet in Europa avancierte bis Renault ihm diesen Platz dann in den 30er Jahren streitig machte, baute sehr solide Fahrzeuge. Der kleine Renault bewies seine Zuverlässigkeit unter anderem durch einen Ausdauertest auf der Rennstrecke von Miramas, als ein Monsieur Bertrand mit ihm 1926 in 203 Stunden und 22 Minuten 10000 Meilen mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von ca. 80 km/h problemlos absolvierte.
Den KJ/KJ1 gab es, wie damals üblich, mit verschiedenen Aufbauten
Angeboten wurde er nicht nur als als offener Tourenwagen, sondern auch als Limousine, als Kastenwagen, Pick-up oder als Roadster.
Das abgebildete Exemplar verbrachte viele Jahre auf Mallorca
Bis in die Nachkriegszeit wurde er dort von einer Familie als Gebrauchsfahrzeug verwendet. In den 60er Jahren nahm er dann an vielen Rallys in Spanien teil.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: sv Reihenvierzylindermotor
Hubraum: 951 ccm
Leistung: 6 PS bei 1980 U/min
Höchstgeschwindigkeit: ca. 80 km/h
Elektrik: Dynastartanlage
Getriebe: Dreiganggetriebe
Kupplung: Leder-Konuskupplung
Lenkung: Schraubenlenkung
Chassis: Kastenrahmen
Vorderradaufhängung: Starrachse, Halbelliptikfedern
Hinterradaufhängung: Starrachse, Querfeder
Bremsen: Trommelbremsen hinten
Radstand: 2450 mm
Gesamtlänge: 3135 mm
Spurweite: 1150 mm
Reifen: 700 x 80
Gewicht: Chassis-425 kg
Preis: 12000 Franc-1922 für dreisitzigen Torpedo mit aufklappbarem vierten Sitz
Bauzeit: 1922-1924