Der Hamburger Carl F.W. Borgward, der 1928 die Goliath-Werke Borgward & Co. GmbH in Bremen gegründet und wenig später auch Hansa-Lloyd hinzugekauft hatte, baute auch in der Nachkriegszeit neben PKW und kleineren Nutzfahrzeugen mit Erfolg leichte Lastkraftwagen
Das beliebteste Fahrzeug von Borgward sollte allerdings die Isabella werden. Doch neben seinen PKWs, die oft mit interessanten Innovationen aufwarten konnten, baute Carl Borgward auch sehr zuverlässige Lastwagen. Überhaupt war der Mann ein echtes Phänomen. Schließlich schaffte er es, ohne große Mittel zu haben, einen Konzern aufzubauen, der bald zum drittgrößten Automobilproduzenten Deutschlands avancierte.
Leichte LKWs für die Bundeswehr
Als Anfang der 50er Jahre die Schaffung einer Bundeswehr im Gespräch war, begannen die Autofirmen an entsprechenden Fahrzeugen zu arbeiten, die dann 1953 auf der Bonner Hardthöhe Nato-Vertretern vorgestellt wurden. Borgward war mit den Modellen B4000 und dem 1951 auf den Markt gebrachten B2000 dabei. Die Vorführung der Modelle konnte überzeugen und Borgward erhielt einen Auftrag über etliche Fahrzeuge, auch von der britischen Armee. Als die Bundeswehr dann 1955 gegründet wurde, baute Borgward für die leichte LKW-Klasse mit 0,75 Tonnen einen allradgetriebenen Kübelwagen auf der Basis des B 2000 A, der sich erfolgreich gegen Fahrzeuge von Hanomag und Opel durchsetzen konnte. In den nächsten Jahren verkaufte Borgward der Bundeswehr fast 6000 dieser leichten, geländegängigen LKW, meist als Kübelwagen, aber auch als Pritschenwagen. Als neunsitziger Kübelwagen zählte der B2000 A/O (A für Allradantrieb; O für Ottomotor) ab 1956 zur Erstausstattung der Bundeswehr. Hinter dem Fahrerabteil besaß der Kübelwagen ein separat am Rahmen befestigtes Personenabteil mit zwei Sitzbänken und einem nur von außen zugänglichen Heckstauraum.
Gedacht hatte die Bundeswehr ihn hauptsächlich als Fernsprechbauwagen. Doch dafür wurde er dann gar nicht gebraucht. Statt dessen fand er dank seines unsynchronisierten Getriebes als Übungsfahrzeug Verwendung, auf dem die jungen Soldaten üben konnten, mit Zwischengas zu fahren.
Der von 1955 bis 1961 gebaute B2000 A/O war zuverlässig und langlebig
Unter seiner Motorhaube arbeitete der 2,4 l Reihensechszylindermotor aus dem Borgward Hansa 2400, der 82 PS bei 4500 U/min leistete und über im Zylinderkopf hängende und von Stoßstangen und Kipphebel betätigte Ventile verfügte. Ab 1960 verwendete man für den B2000 A/O den 2,3 l Sechszylindermotor, der auch den „Großen Borgward“ P100 (PKW) antrieb. Ausgestattet war der allradgetriebene LKW mit an Blattfedern geführten Starrachsen.
An den Borgwards hatte nicht nur die Bundeswehr Interesse
So baute eine Firma in Bayern von der Bundeswehr ausgemusterte B2000 A/Os für viele freiwillige Feuerwehren um.
Auch der abgebildete Borgward war bei der Feuerwehr
Dieses Exemplar gehörte viele Jahrzehnte zur freiwilligen Feuerwehr in Sachsenkam bei Bad Tölz-Wolfratshausen. Im Einsatz war es dort allerdings nie. Danach kam der Borgward dann direkt zum Museum und wird hier auch heute noch unter anderem so eingesetzt wie bei der Bundeswehr, nämlich als Übungsfahrzeug für das Fahren mit einem unsynchronisierten Getriebe.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: ohv Reihensechszylinder, 6M 2,4 A
Hubraum: 2337 ccm
B x H: 78 x 81,5 mm
Leistung: 82 PS bei 4500 U/min
Verdichtung: 6,9:1
Höchstgeschwindigkeit: 95 km/h
Getriebe: Vierganggetriebe
Chassis: verstärkter Kastenrahmen
Karosserie: Pritsche, Kübel, geschlossener Funk,- oder Kommandowagen
Vorderradaufhängung: Starrachse an Blattfedern
Hinterradaufhängung: Starrachse an Blattfedern
Antriebsart: Allradantrieb
Bremsen: hydraulisch betätigte Trommelbremsen
Radstand: 3200 mm
L x B x H: 5285 x 1900 x 2575 mm
Spur vorn/hinten: 1560/1510 mm
Bereifung: 9.00-16
Gewicht: 2450-2575 kg
Bauzeit: 1955-1961